Wirbelgleiten – Spondylolisthese


Besteht eine Instabilität der Wirbelsäule mit Gleiten zweier Wirbelkörper zueinander spricht man von einer Spondylolisthese. Diese Strukturstörung kann angeboren oder erworben sein.

Die häufigste Ursache ist ein Gleiten im Bereich der Lendenwirbelsäule durch degenerative Prozesse, also durch Verschleiß und Überlastung. In diesem Fall ist der Wirbel fest mit den restlichen hinteren knöchernen Anteilen verbunden.



Im Gegensatz dazu steht ein Wirbelgleiten durch Spaltbildung im Bereich zwischen dem oberen und unteren Gelenkfortsatz des Wirbelbogens (=Spondylolyse). Somit ist die Spondylolyse eine Spaltbildung in der Interartikularportion des Wirbelbogens. Sie besteht bei 4,5% der Kinder im Alter bis zu 6 Jahren und bei 6% der Erwachsenen. Bei Leistungssportlern mit wiederholter Lordosierung der Lendenwirbelsäule ist die Rate bis auf 50% erhöht. Eine genetische Komponente scheint beim Auftreten der Spaltbildung jedoch häuft mit ursächlich zu sein, betrachtet man familiäre Häufungen und das Auftreten in bestimmten ethnischen Gruppen.  In Folge einer Spondylolyse kann eine Spondylolisthese auftreten.

Unabhängig welcher Ursache werden bei dem Wirbelgleiten vier Schweregrade unterschieden. Dabei teilt man den unteren Wirbelkörper in vier Teile, und je nachdem wie weit der obere Wirbel nach vorne gleitet ergibt sich die Zuteilung von Grad I-IV. Kippt der obere Wirbel komplett über den darunter liegenden spricht man von einer Spondyloptose. Die häufigste Lokalisation des Wirbelgleitens findet sich zwischen dem vierten und fünften Lendenwirbel.

Therapie

Je nach Beschwerdebild muss zwischen einer konservativen und operativen Therapie abgewogen werden. Zunächst sollte jedoch, bei Fehlen neurologischer Symptome, immer ein engmaschiges konservatives Therapieregime geplant werden.

Sollte bei beschwerdefreien Kindern als Zufallsbefund eine Spondylolisthese mit einer < 50%igen Verschiebung festgestellt worden sein, sollte bis zum Abschluss des Wachstums jährlich eine Röntgenkontrolle durchgeführt werden. Einschränkungen v.a. im Schulsport sind dabei nicht nötig. Leistungssport mit vermehrter Lordosierung der Wirbelsäule, wie bspw beim Kunstturnen, Speerwerfen, Delfinschwimmen, sollten hingegen vermieden werden. Eine konservative Therapie ist auch bei Kindern angezeigt, insofern keine starke Progredienz des Gleitens oder eine akute Wirbelbogenfraktur vorhanden ist.

Die konservative Therapie besteht in physiotherapeutischem Beüben, Kräftigung der rumpfstabilisierenden Muskulatur, v.a. der Bauchmuskulatur zur Entlordosierung, manualtherapeutische Maßnahmen sowie Infiltrationen.

Operationsindikationen sind konservativ nicht beherrschbare Schmerzen, gravierende Haltungsstörungen, Ventralgleiten bei Kindern und Jugendlichen > 50%, stark progredientes Gleiten und neurologische Defizite. Die Operation verfolgt die Ziele der Dekompression, Stabilisierung und Reposition und wird mittels Wirbelsäulenversteifung (Spondylodese) durch Schrauben und Verbindungsstangen erreicht.

Abschließend kann gesagt werden, dass bei Patienten mit leichten bis mittelstarken Beschwerden eine Kombination aus Kräftigungstherapie für die Rückenmuskulatur, physiotherapeutischen Maßnahmen und Gabe leichter Schmerzmittel sowie Infiltrationen eine sehr gute Therapieoption ist.

Bei Patienten mit nicht tolerierbaren Schmerzen und progredientem Gleiten muss ggf. eine operative Maßnahme erwogen werden.

  1. H. Wittenberg, R.E. Willburger & J. Krämer, Spondylolyse und Spondylolisthese, Der Orthopäde, volume 27, pages51–63(1998)

Wiltse L, Man N, Macnab I., Classification of Spondylolisis and Spondylolisthesis Clinical Orthopaedics and Related Research. 11976 Jun;(117):23-9.

Jürgen Krämer, ‎Carl Joachim Wirth, ‎Sven-Erik Authorsen · 2004, Orthopädie und Orthopädische Chirurgie, Wirbelsäule, Thorax, Thieme Verlag, 2004

Orthopädie und Unfallchirurgie up2date 2020; 15(5): 427-441